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Der Thilosoph

Da sitzt er nun in sich ruhend in seinem gemütlichen, von Fremden umzingelten Heim und trinkt eine Tasse Kaffee. Daran ist an sich nichts ungebührliches, aufregendes. Jeder weiß, dass Sarrazin, wenn er nicht die politische, im öffentlichen Raum stehende Person ist, auch menschlichen Bedürfnissen nachgehen muss wie Schlafen, Essen, Trinken und Scheißen. Interessant ist die Tatsache, dass diese biedere Figur mit seinen politpornografischen Thesen, die es wohlkalkuliert in die Boulevardpresse gebracht haben, hier auf dem Titelbild des Magazins der Süddeutschen Zeitung abgebildet ist. Und das nicht in einem satirischen Kontext oder einer journalistischen Abrechnung, sondern als Teil  einer intellektuellen Homestory. Ein Grund eigentlich, das Abo der Süddeutschen glatt zu kündigen.

Wenn man sich schon dieses Bild des oberlehrerhaften Menschen anschaut, auf die Details achtet, hinter im ein Bildband über Australien - angeblich füllen zerlesene Geohefte beim ihm Regale - einem Land, das er vielleicht bereist hat, ein multikulturelles Land übrigens, mit einer anglisierten polyozeanischen Bevölkerung, die ihn sicher freundlich empfangen hat - da dort sein Buch sicherlich schwer zu finden ist.

Unter dem Tischdeckchen mit dem heidnischen Weihnachtsmotiv liegen zerlesene Zeitungen, die eher auf seine Belesenheit als seine Besessenheit schließen sollen. Man erkennt wenig rot und einen grauen Buchstabensalat, der auf Qualitätsblätter schließen lässt. Der Mann ist ja nicht dumm, nur eitel, borniert und auf freundliche Art grausam. Er weiß sich rhetorisch zu behaupten und ist in der Wahl seiner Mittel weniger zimperlich als die von ihm gelesenen Blätter. Seine Thesen lassen sich von der Bildzeitung besser vermarkten.

Hinter ihm, er ist ja kein weltoffener Niederländer, verdeckt eine Gardine den Blick nach innen. Jederzeit kann Sarrazin aufstehen und aus der Distanz einen Blick auf die Welt da draußen richten. Natürlich ist dieser Blick getrübt und noch da feinste Gewebe sorgt für eine grobes Raster. Da ist es nicht verwunderlich, dass seine Ansichten der Gesellschaft gröber gestrickt sind. Wenn man nicht von der Straße kommt und unter den Leuten dort lebt, muss man ja gemütlich zuhause im Schreibzimmerchen sitzen und sich aus der ferne Gedanken über die Zustände machen. Der Café Arabica inspiriert beim Thema Islam ebenso wie der Perserteppich, dem wohl die These, dass Überfremdung auf deutschen Boden Einhalt zu gebieten ist.

Doch was ist Fremde für einen Mann der zwischen lauter Schröders, Müllers und Hansens Sarrazin heißt? Ist er ein Spalter, weil er selbst unter Abspaltung leiden musste? Erträgt er die islam-christliche Schizophrenie unseres Landes nicht, weil er selbst ein Schizo ist? Er, dieses Chamäleon, dass als Sozialdemokrat in Frankfurter Banktürmen ebenso zuhause ist, wie als Intellektueller in Revolverblättern? Wo kommt unser Geo lesender, Türkentrank trinkender Seismograph des Kleinbürgerlichen eigentlich her? Wie alle Menschen in Europa kommt er von überall her. Wenn man mal die Gardinen beiseite zieht und eine  klaren Blick nach draußen richtet, erkennt man sofort, dass unsere Gesellschaft heute genauso ist wie in den Jahrhunderte zuvor: ganz schön durcheinander.

(Übrigens schlägt die Rechtschreibhilfe meines Schreibprogramms für das unbekannte Wort Sarrazin den Ausdruck Starrsinn vor.)

12.8.11 14:57
 


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